Im Vordergrund ein Autowrack, dahinter ein brennendes Benzinfass. Ein Schrottplatz. Überall Feuer. Eindringliche Fotos zeigt die Ausstellung „Blick zurück nach vorn“, die am Mittwochabend in der Kunsthalle Steinfurt an der Goldstraße eröffnet wurde.
Bürgermeister Andreas Hoge, Franziska Lengers (2. v. links) und Barbara Schonschor (rechts), hier mit Publikum, sprachen zur Eröffnung der Ausstellung »Blick zurück nach vorn Foto: Nix
Die Bilder stammen nicht von professionellen Fotografen. 14 Jugendliche haben sie gemacht, Roma, Albaner und Serben. Einst wurden sie in Deutschland geboren, später nach Südserbien und in den Kosovo abgeschoben. Dort nahmen sie an dem Foto-Projekt des Goethe-Institutes Belgrad teil. Es entstanden Zeugnisse aus einer anderen Welt, die nicht ihre eigene sein kann.
"Es ist zutiefst erbärmlich, wie wir mit diesen Menschen umgehen“
„Jeder Teilnehmer hat zirka 100 Fotos aufgenommen“, sagte Barbara Schonschor vom Jugendmigrationsdienst. „Eine Auswahl davon ist jetzt hier zu sehen“. Franziska Lengers von der Evangelischen Jugendhilfe zeigte sich ergriffen: „Abschiebung geschieht im Namen des Volkes. Es ist zutiefst erbärmlich, wie wir mit diesen Menschen umgehen“. „Sie sind hier aufgewachsen. Wie haben sie sich wohl gefühlt, als sie unser Land verlassen mussten?“ - fragte Bürgermeister Andreas Hoge nachdenklich. Claudius Voigt von der GGUA Flüchtlingshilfe referierte über die aktuelle Bleiberechtssituation.
Jugendliche in fremder Welt
Die jungen Menschen verarbeiteten künstlerisch Eindrücke aus der Umgebung, in der sie jetzt leben. In der Bundesrepublik geboren, sehen sich die jungen Frauen und Männer heute in einer fremden Welt, in der sie weder die Sprache perfekt beherrschen noch mit den Sitten und Gebräuchen vertraut sind. Jedem Foto steht eine Tafel mit dem Portrait und Zitaten des Urhebers zur Seite. „ Ich spiele gerne Fußball“, sagt die 14-jährige Hanife Haziri. „Aber hier reden die: Guck, die spielt Fußball. Mädchen können das nicht, die dürfen das nicht. Mein größter Wunsch ist es, wieder nach Deutschland zu gehen“. Sie fotografierte das Bild mit dem Autowrack vor der Feuerwand. Die 24-jährige Antoneta wohnt in Metelen. Aus dem Publikum kommend trat sie vor die Zuschauer und sagte: „Ich lebe seit 19 Jahren in Deutschland. Es war nicht immer leicht. Jetzt habe ich für weitere zwei Jahre eine Aufenthaltserlaubnis bekommen. Aber was ist dann?“
In Laer geboren
Die jungen Fotografen selbst konnten bei der Ausstellungseröffnung nicht mit dabei zu sein. Es gibt es auch einen Bezug zum Kreis Steinfurt. Zwei von ihnen, die fünfzehnjährige Nazife Shabanaj und der siebzehnjährige Egzon Shabanaj, wurden in Laer geboren.
Im Rahmen der interkulturellen Wochen in Steinfurt sind die Fotos noch bis zum 25. September zu sehen. Wochentags von 9 bis 13 Uhr oder nach Absprache mit dem Jugendmigrationsdienst, Tel. (02552) 639443.