Heilbronn
Ein Ausländerbeauftragter wäre das Tollste
Heilbronn, 27.10.2005 Weil es keinen gemeinsamen Ausländerbeauftragten für den Stadt- und Landkreis Heilbronn gibt, machen die Anbieter der Integrationskurse aus der Not eine Tugend und koordinieren jetzt selbst ihre Arbeit:
Zehn Bildungsträger haben das Migrationsnetzwerk Unterland gegründet.
Seit Anfang des Jahres müssen Ausländer und Aussiedler, die nach Deutschland kommen, so genannte Integrationskurse belegen, in denen sie vor allem Deutsch lernen. Auch Ausländer, die schon länger hier sind, und die zum Beispiel durch ihre mangelnden Sprachkenntnisse keine Arbeit finden, kann die Agentur für Arbeit zwangsverpflichten.
Alle Institutionen, die an der Integration von Ausländern beteiligt sind, halten diese Kurse für sinnvoll - zumindest in der Theorie. Denn in der Praxis herrscht ein Durcheinander , sagt Helga Büttner vom Sinsheimer Kursträger USS.
Die Folge: Viele Angebote laufen ins Leere. Wir müssen den Kursstart immer wieder verschieben , sagt Uwe Traunnecker vom Haus für berufliche Weiterbildung in Heilbronn. Denn laut Verordnung kann ein Kurs erst mit mindestens 15 Teilnehmern stattfinden. Doch manche Träger hätten weniger Interessenten. Außerdem träfen sich zu viele verschiedene Sprachniveaus und soziale Gruppen in den Kursen, die das Lernen schwerer machen. Traunnecker: Analphabeten brauchen eine ganz andere Betreuung als Deutsch-Fortgeschrittene. Die Ausländerämter gaben den Betroffenen bisher nur eine Kursanbieter-Liste zur Hand, die das Nürnberger Bundesamt für Migration veröffentlicht. Ob die Ausländer und Aussiedler tatsächlich die Kurse auch besuchten, konnten sie bisher kaum kontrollieren.
Ämter, Behörden und Kursanbieter waren und sind sich noch bis heute einig, dass das Tollste ein Ausländerbeauftragter wäre, der die Arbeit koordiniert , erklärt Traunnecker. Zurzeit laufen auch Gespräche zwischen der Stadt Heilbronn, dem Landratsamt und den Wohlfahrtsverbänden, um eine Koordinierungsstelle zu etablieren , berichtet Wilma Koch vom Jugend Migrationsdienst . Weil es aber zu lange dauern würde, bis es diese Stelle tatsächlich gibt, haben sich jetzt insgesamt zehn Bildungsträger im Migrationsnetzwerk Unterland zusammengeschlossen, das sich gestern in den Heilbronner USS-Räumen vorstellte. Die Gruppe will jetzt alle drei Monate ein Info-Blatt herausgeben, in dem alle Kurse samt Startzeiten zusammengefasst sind.
Außerdem sollen die Ausländerbehörden Anwesenheitslisten erhalten.
Allerdings fehle dem Netzwerk nach wie vor ein Kopf. Wir brauchen einen Ansprechpartner, anders geht es nicht , sagt Traunnecker. Bis jetzt sei aber noch unklar, wer diese Stelle finanziert. Im Netzwerk zusammengeschlossen sind: Arbeitskreis für Aus- und Weiterbildung, Arkus gGmbH, Ev. Tagungsstätte Löwenstein, IB, USS, Haus für berufliche Weiterbildung, Verein für Deutschsprachvermittlung, VHS Neckarsulm, VHS Unterland, Sprachschule Mutig.
Von Helmut Buchholz
(stimme.de vom 27.10.2005)
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